Wie sieht eine Energiewende aus, an der wirklich alle teilhaben? Diese Frage wurde am 12.03. im Metaroom Weimar diskutiert. Schnell wurde klar: Die Energiewende ist weit mehr als ein technisches Projekt. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe und damit auch eine Frage von Teilhabe, Gerechtigkeit und Perspektiven. Doch wer gestaltet diese Transformation eigentlich?
Die soziale Dimension der Energiewende
In öffentlichen Debatten geht es häufig um Ausbauzahlen von Wind- und Solarenergie, Netze oder Speicherkapazitäten. Diese Aspekte sind wichtig, aber sie greifen zu kurz. Denn die Energiewende ist mehr als nur Technik und entscheidet sich nicht nur auf Dächern und Feldern, sondern auch in Köpfen, Strukturen und Entscheidungsprozessen.
Eine zentrale Erkenntnis: Erneuerbare Energien sind nicht automatisch gerecht. Bestehende Ungleichheiten können sich auch im klimagerechten Energiesystem fortsetzen, wenn sie nicht aktiv adressiert werden.
Frauen als unterrepräsentierte Schlüsselakteurinnen
Dabei spielen Frauen eine entscheidende Rolle in der Energiewende. Studien zeigen, dass sie in der Tendenz die Energiewende stärker unterstützen und im Alltag oft nachhaltiger handeln. Zudem engagieren sie sich häufiger in Initiativen und befürworten Klimaschutzmaßnahmen.
Und trotzdem sind sie im Energiesektor nach wie vor unterrepräsentiert, insbesondere in technischen Berufen und Führungspositionen. Strukturelle Hürden wie ungleiche Bezahlung, eingeschränkter Zugang zu Netzwerken oder die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit erschweren eine gleichberechtigte Teilhabe. Hinzu kommen gesellschaftliche Rollenbilder, die Technik und Energie noch immer stark männlich konnotieren.
Das Ergebnis: Ein enormes Potenzial bleibt ungenutzt.
Warum Vielfalt die Energiewende besser macht
Dabei sprechen viele Gründe dafür, Frauen stärker einzubeziehen. Eine vielfältigere Beteiligung führt nachweislich zu besseren Entscheidungen, mehr Innovation und höherer gesellschaftlicher Akzeptanz. Eine Energiewende, die von vielen getragen wird, ist am Ende auch stabiler und erfolgreicher.
Bürgerenergie als Chance für mehr Teilhabe
Genau hier setzt Bürgerenergie an. Energiegenossenschaften schaffen Räume, in denen Menschen vor Ort die Energiewende aktiv mitgestalten können. Und das unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder beruflichem Hintergrund.
Gleichzeitig zeigt sich hier ein spannender Widerspruch: Obwohl Frauen im Schnitt engagierter sind und die Energiewende stärker unterstützen, sind Energiegenossenschaften, trotz ihres gemeinwohlorientierten und partizipativen Ansatzes, häufig männlich geprägt. Ein möglicher Grund liegt in der nach wie vor verbreiteten Assoziation von Energie, Technik und Finanzen als „männliche“ Themenfelder, die den Zugang unbewusst erschweren.
Gerade darin liegt jedoch eine große Chance: Denn Energiegenossenschaften sind nicht nur technische, sondern vor allem soziale Projekte. Sie bieten konkrete, lokale und gemeinschaftliche Beteiligungsmöglichkeiten und damit ideale Voraussetzungen, um mehr Frauen anzusprechen, sichtbar zu machen und aktiv einzubinden.
Von der Diskussion ins Handeln
Die Veranstaltung im Metaroom hat gezeigt: Das Bewusstsein für die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit in der Energiewende wächst. Gleichzeitig bleibt noch viel zu tun. Von der gezielten Ansprache von Frauen über die Sichtbarmachung von Vorbildern bis hin zu strukturellen Veränderungen in Organisationen und Entscheidungsprozessen. Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich. Gerade auf lokaler Ebene, in Initiativen und Genossenschaften, können neue Wege erprobt und gelebt werden.
Quelle: BBEn
Über das Bündnis Bürgerenergie (BBEn)
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