Wie gelingt die Energiewende konkret vor Ort? Und welches Potenzial haben die Dächer der Weimarer Uni-Gebäude? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines besonderen Abends an der Bauhaus-Universität.

Alle 418 Plätze des Maurice-Halbwachs-Auditoriums waren besetzt, als der renommierte Astrophysiker und Wissenschaftskommunikator Prof. Dr. Harald Lesch über die Transformation des Energiesystems sprach. Gemeinsam blickten Prof. Dr. Steffen de Rudder (Professur Städtebau, Bauhaus-Universität Weimar) und Matthias Golle (Vorstand Energiegenossenschaft Ilmtal eG) auf das Potenzial der Gebäude der Universität.

Zum Hintergrund: Thüringen hat sich zum Ziel gesetzt, seine landeseigenen Gebäude bis 2030 klimaneutral umzubauen. Ein zentraler Baustein dabei ist der Ausbau von Photovoltaik auf geeigneten Dachflächen, wie beispielsweise Gebäuden der Hochschulen.

Doch trotz dieses klaren Ziels ist der Fortschritt bislang überschaubar. An der Bauhaus-Universität Weimar wurde bisher erst ein einziges Dach mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Dass es auch anders gehen könnte, zeigte eine Untersuchung unseres Projektierers. Das Ergebnis: Auf den Gebäuden der Bauhaus-Universität ließen sich jährlich rund 1.000.000 kWh Solarstrom erzeugen. Ein enormes Potenzial, das durch den hohen Eigenverbrauch der Universität umso attraktiver wird.

Für die Umsetzung steht unsere Energiegenossenschaft mit Expertise zur Verfügung. Ein mögliches Modell: Die Genossenschaft pachtet die Dachfläche des Eigentümers. Und plant, finanziert, baut und betreibt die PV-Anlage. Die Universität wird mit günstigem Solarstrom aus der Anlage beliefert und spart Kosten und CO₂, ohne selbst investieren zu müssen.

Dieses Modell entlastet die öffentliche Institution und ermöglicht zugleich Bürgerbeteiligung. Denn Studierende, Beschäftigte und Menschen aus der Region können Mitglied werden und vom Ausbau der erneuerbaren Energien profitieren.

Der Abend mit Harald Lesch machte deutlich: Die Energiewende ist keine abstrakte Herausforderung, sondern eine konkrete Chance, auch und gerade auf lokaler Ebene. Seine klaren Worte und der wissenschaftliche Blick auf die Dringlichkeit des Handelns weckten im Publikum einen konstruktiven Optimismus. Die große Resonanz zeigte, dass Studierende, Lehrende und Bürger:innen sich konkrete Schritte wünschen. Beim anschließenden Austausch nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, mit Harald Lesch sowie Vertreter:innen der Bauhaus-Universität und der Energiegenossenschaft Ilmtal eG ins Gespräch zu kommen.

Die Bauhaus-Universität Weimar verfügt über ein enormes Photovoltaik-Potenzial. Mit einem Partner könnte sie ihre Stromkosten senken, den eigenen CO₂-Fußabdruck deutlich reduzieren und zugleich ein sichtbares Zeichen für die lokale Energiewende setzen. Der volle Hörsaal hat gezeigt: Das Interesse ist da. Jetzt geht es darum, die Chancen zu nutzen.

Energiegenossenschaft Ilmtal eG

Foto: Jens Weber